Offener Brief an die Betreiber der Gaststätte Wienert

In einem Offenen Brief haben wir uns heute an die Betreiber der Geststätte Wienert in Essen-Frintrop gewendet. In den vergangenen Wochen und Monaten kam es dort immer wieder zu Zusammenkünften rechter Flüchtlingsfeinde.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Erschrecken müssen wir feststellen, dass sich in Ihrer Gaststätte nach wie vor RassistInnen treffen, um gegen die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule zu hetzen. Bereits im Sommer 2013, als sich die Pläne für die Einrichtung einer Behelfseinrichtung in der Schule konkretisierten, diente Ihre Gaststätte als Anlaufpunkt für zahlreiche Treffen der Flüchtlingsfeinde. Nunmehr scheint diese rassistische Gemengelage ein neues Eskalationsniveau erreicht zu haben, weshalb wir Sie auffordern, spätestens jetzt die RassistInnen vor die Tür zu setzen!

Leider mussten wir beobachten, wie sich ein aggressiver Mob, bestehend aus AnwohnerInnen und organisierten Neonazis, am 14.08.2015 erneut bei Ihnen unter dem Vorwand traf, dass es einen sexuellen Übergriff eines Bewohners der Unterkunft auf eine junge Frau gab. Im Anschluss an die Versammlung bildete sich spontan eine Demonstration, aus der heraus unter anderem ein Politiker der Grünen angegriffen wurde. Laut Augenzeugenberichten wurde dabei mindestens eine Person verletzt.

Teile dieses Personenkreises pöbelten am 02.09.2015 gegen eine Kundgebung, die auf die flüchtlingsfeindlichen Zustände im Stadtteil aufmerksam machte. Dabei fielen hetzerische Parolen wie „Für ein paar Schwule seid ihr ganz schön laut!“, „Hasta la vista, antifascista!“, „Linkes Gezeter – Neun Millimeter“ und von mindestens einer Person wurde ein Hitlergruß gezeigt. Im weiteren Verlauf drohten diese den KundgebungsteilnehmerInnen körperliche Gewalt an; ein Böller wurde in die vorderen Reihen geworfen, billigend wurden dabei ernsthafte Verletzungen in Kauf genommen.

Des Weiteren treffen sich jeden Mittwoch bis zu 30, meist stark alkoholisierte, Frintroper AnwohnerInnen am Marktplatz und hetzen gegen die Flüchtlinge. Nicht selten ziehen diese im Anschluss an dieses allwöchentliche Hetzgelage an der Flüchtlingsunterkunft vorbei und pöbeln in Richtung der ohnehin häufig traumatisierten BewohnerInnen – darunter viele junge Kinder und Jugendliche.

Angesichts dieser beängstigenden Umstände fordern wir Sie auf:

– Distanzieren Sie sich umgehend von rechten Umtrieben in Ihrem Lokal und unterbinden Sie zukünftige Treffen!
– Beziehen Sie klar Stellung gegen Rassismus, Nationalismus und rechte Gewalt!
– Erteilen Sie Hausverbote an die rechten HetzerInnen!

Eine Gaststätte wie Ihre sollte ein Ort der Begegnung sein und kein Raum für die Verbreitung von menschenverachtender Propaganda, die, wie oben genannte Vorfälle belegen, nicht selten in Gewalt gegen Andersdenkende und Schwächere umschlägt.

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